Donnerstag, 15. Jänner 2015

Verzicht – ein Gewinn?

 

 

Dreimal Weltrekord im damaligen Fünfkampf, Sportlerin des Jahres 1977, eine Kugelstoß-...


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Dreimal Weltrekord im damaligen Fünfkampf, Sportlerin des Jahres 1977, eine Kugelstoß-Bestleistung von 21,43 – das war Eva Rapp (früher Wilms) als Athletin. Heute ist sie Bundestrainerin und Leiterin des DLV-Stützpunkts Nürnberg/Fürth und dort verantwortlich für den weiblichen Nachwuchs im Mehrkampf. Um im Stützpunkt aufgenommen zu werden und langfristig ausgerichtete Förderung zu erhalten muss nicht nur die Leistung, die Leistungsentwicklung stimmen und die entsprechende Einstellung und Motivation erkennbar sein. Athlet und Trainer müssen in einem ausführlichen Gespräch ihre Ziele, Pläne und Vorstellungen der Zielerreichung darlegen und sich einer intensiven Befragung durch die dortigen Trainer stellen. Es wird dann gemeinsam festgestellt und besprochen wie viel Training möglich ist, wie viel Training notwendig ist und inwieweit die Vorstellungen realisierbar sind. Die abschließende und entscheidende Frage der Bundestrainerin lautet: “Auf was bist du bereit dafür zu verzichten?“ Ein großer Teil der Aufnahmekandidaten hat sich dazu nicht wirklich etwas überlegt bzw. will nicht wirklich auf etwas verzichten.

 

Verzicht – dieses Wort klingt für die meisten von uns unangenehm. In Zeiten einer Überflussgesellschaft, die grenzenlosen Konsum jederzeit, immer, überall und sofort gewohnt ist, erscheint Verzicht wenig verlockend. Verzicht wird mit Entsagung, Askese, Zwang in Verbindung gebracht, als negativ gesehen und empfunden.

 

Die meisten von uns kennen persönlichen Verzicht nur als mehr oder weniger letzte Maßnahme um zum Beispiel gesundheitlichen Problemen entgegenzuwirken – meist nicht freiwillig, sondern bereits als Muss, z.B. Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, auf Zucker, auf Fette, auf Alkohol, auf Nikotin. Wenige erkennen dabei den eigentlichen Nutzen dieses Verzichtes – nämlich den Gewinn aus neuem Wohlbefinden, an möglicher Stabilisierung oder sogar ein gänzliches Verschwinden der Beschwerden.  

 

Bereits 500 Jahre vor Christi sagt Konfuzius: „Die durch Beschränkung verloren haben, sind selten“. Man kann also durch Verzicht gewinnen?

 

Ein großer und auch meinungsbildender Teil unserer Gesellschaft sind Sportler aller Leistungsklassen. Immer auf der Suche nach Möglichkeiten, die eigene Leistung zu verbessern und die individuellen Grenzen zu erreichen haben sie erkannt, dass Verzicht notwendig ist. Immer wieder liest und hört man von Sportlern, dass erst der Verzicht auf liebgewonnene, bequeme Annehmlichkeiten und Verhaltensweisen zur gewünschten Leistung und damit zum angestrebten Erfolg geführt hat. Es braucht nur einmal die Erkenntnis und dann den Mut dazu. Schnell erkennt man, dass der Verzicht auf vertraute Bequemlichkeiten nicht unangenehm und beschwerlich ist, sondern befreiend, sinnvoll und hilfreich in Hinsicht auf seine persönlichen Zielvorstellungen. Der geplante freiwillige Verzicht entpuppt sich rasch als Gewinn. 

 

Auch bei Martin Kainrath – unserem erfolgreichen Hürdenläufer war dies so. Martin fiel schon in unserem Kindertraining als Hürdentalent auf. Die ersten Wettkämpfe verliefen erfolgversprechend. Das Training und auch das Rundherum hat er aber noch nicht so ernst genommen. So war ihm zum Beispiel eine sportlergerechte Ernährung eher unbekannt. Die Aufrufe seiner Betreuer, doch auf Eistee, Cola, Chips, Mannerschnitten und Wurstsemmeln als Wettkampfverpflegung zu verzichten, blieben meist ungehört. Dann eröffnete sich Martin aufgrund seiner bisherigen Leistungsentwicklung die Chance, das Limit für die U20 EM 2013 in Rieti zu erbringen. Sein Ehrgeiz war geweckt und er stellte sich die Frage, was neben verstärktem Training noch zu tun sei bzw. vielleicht nicht mehr. Er unterzog seine liebgewonnenen Gewohnheiten einer strengen Prüfung und entschied für sich: kein Junkfood, keine Süßigkeiten, keine zuckerhaltigen Getränke mehr, dafür viel Obst und Gemüse, mehr und früher schlafen, um 06:00 Uhr aufstehen, Fortgehen reduzieren. Also Verzicht auf viele selbstverständlich gewordenen Gewohnheiten und Verhaltensweisen.

 

Verzicht, vermeintlicher Verzicht? Nein, im Gegenteil. Für Martin führte dies zu großem persönlichen Gewinn: mehrmalige Verbesserung der persönlichen Bestleistung, Limit und Teilnahme an den Europameisterschaften in Rieti, Teilnahme am 110m Hürdenlauf mitten unter Weltklasseathleten bei den GuglGames, Training mit dem US Team und dem Olympiasieger Aries Merrit, Kontakt mit Spitzentrainern, Aufnahme in den ÖLV-Elitekader, Aufnahme ins HSZ. Am Ende der letzten Saison fragte ich Martin, wie er seinen Verzicht empfunden habe? Seine prompte Antwort war: „Ich habe es nicht als Verzicht empfunden“.

 

Athleten im begrenzten gesellschaftlichen Biotop des Sports machen es uns also vor. Die Gesellschaft wird früher oder später lernen (müssen), dass es ohne Verzicht nicht gehen wird. Die Verknappung der Ressourcen, die Umweltverschmutzung, der Klimawandel werden uns zu reduziertem Konsum zwingen. Ein rascher freiwilliger Verzicht in kleinen Schritten auf lieb gewonnene Bequemlichkeiten – nicht sofort auf alles, wäre aber einem erzwungenen Verzicht, „Verzicht by Chaos“, wie Prof. Dr. Niko Paech von der Universität Oldenburg in seinem Buch „ Befreiung vom Überfluss“ schreibt, vorzuziehen. Das heutige Konsumverhalten geht weit über das hinaus was für Überleben, Gesundheit, Zufriedenheit und Lebensglück notwendig ist. Die moderne Glücksforschung hat festgestellt, dass sich die Bestimmgründe für das Glück wie folgt zusammen setzen: 50 Prozent sind Vererbung und Gene, 40 Prozent sind absichtliche Aktivitäten und 10 Prozent sind Lebensumstände.

 

Nehmen wir uns alle ein Beispiel an Martin, an all den anderen vielen Sportlern  und setzen wir alle in kleinen Schritten die absichtliche Aktivität des freiwilligen und frohen Verzichts – zu unser aller Gewinn.

 

Peter Hiller

  

Mittwoch, 18. Dezember

2013

Macht's der Schlaf aus?

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Wikipedia: Als Schlafmangel bezeichnet man den kumulativen Effekt von zu wenig Schlaf. Schlafmangel kann zu mentaler oder physischer Müdigkeit führen und entsprechend die Leistungsfähigkeit reduzieren.

Macht‘s der Schlaf aus?

Der ULC Linz Oberbank gehört zu den wenigen Vereinen in Österreich, der ein umfassendes sportliches Trainingsangebot bieten kann. Von altersgemäßer Bewegung im Vorschulalter, über das Fördern und Erlernen von Koordination, Geschicklichkeit, Schnelligkeit und Ausdauer im Schulalter, das Angebot von regelmäßiger und verbindlicher sportlicher Betätigung mehrmals die Woche, bis hin zum planmäßigen und zielgerichteten Leistungstraining zur Teilnahme an österreichischen Meisterschaften und internationalen Bewerben. Wer sich entschlossen hat, eine (leistungs-)sportliche Karriere einzuschlagen, braucht nicht nur klare, persönliche Ziele, einen Trainer für die Trainingsplanung und das Erlernen von Technik, sondern auch eine gute Selbstorganisation, um mit dem dann immer knapper werdenden Zeitbudget auszukommen. Spätestens ab dem 14. Lebensjahr ist ein Training 3x pro Woche das Mindeste, um in den erwähnten Leistungsbereich vorstoßen zu können.

Sportliches Training ist Grundvoraussetzung für eine Leistungssteigerung. Was ist eigentlich Training? Sportliches Training ist ein planmäßig gesteuerter Prozess, der eine positive Zustandsänderung im Organismus hervorruft. Durch das Setzen von wirksamen Reizen wird das innere, biochemische Gleichgewicht verändert, wodurch es zu einer Leistungssteigerung kommt (Prinzip der Superkompensation). Diese Anpassung erfolgt nach verschiedenen Gesetzmäßigkeiten. Nur wer diese kennt –  unsere gut ausgebildetenTrainer kennen sie – und wenn sie auch vom Athleten beachtet werden, hat mittel- und langfristig die Möglichkeit seine individuelle, maximale Leistungsfähigkeit zu erreichen.

Solche Gesetzmäßigkeiten zur Anpassung des Organismus sind unter anderem: Trainingswirksame Belastung: Trainingsreize müssen eine bestimmte Mindestintensität überschreiten. Nicht jede sportliche Betätigung ist Training im leistungssportlichen Sinn. Zu lange Pausen innerhalb einer Trainingseinheit oder zwischen den Trainingstagen, zu geringe Intensität und zu wenig Umfang führen zu keinen Anpassungserscheinungen und daher nicht zu Leistungssteigerung.

Ansteigende Belastung: In gewissen Zeitabständen ist eine Steigerung der Trainingsbelastung (Häufigkeit, Umfang, Intensität) notwendig, um eine körperliche Anpassungserscheinung zu erwirken.

Kontinuierliche Belastung: Nur durch regelmäßiges Training mindestens 3x pro Woche kann man seine individuelle Leistungsfähigkeit erhöhen. Bei längeren Trainingsunterbrechungen erfolgt immer ein Leistungsabfall.

 

Wechselnde Belastung: Diese Gesetzmäßigkeit basiert auf den unterschiedlichen Regenerationszeiten des Organismus (Muskel, Herz-Kreislauf) nach Belastungen. Auch unterschiedliche Belastungsstärken – Umfang und Intensität – benötigen verschieden lange Erholungszeiten.

Fazit aus diesen Gesetzmäßigkeiten ist, dass die eigentliche Leistungssteigerung in den Erholungsphasen stattfindet. Das heißt, die optimale Relation von Belastung und Erholung spielt eine ganz wichtige Rolle in der Entwicklung der sportlichen Leistungsfähigkeit. Eine Steigerung dieser kann nur dann erfolgen, wenn Belastung und Erholung aufeinander abgestimmt werden. Sowohl zu kurze als auch zu lange Regenerationsintervalle können zu einem Stagnieren bzw. Rückgang der sportlichen Leistungsfähigkeit führen. Der Athlet selbst spielt bei der Einhaltung dieses Wechsels eine wesentliche Rolle. Auf der einen Seite muss ein Mindestmaß an Trainingshäufigkeit beachtet werden, auf der anderen Seite bestimmt der Athlet auch die Erholung bzw. Wiederherstellung nach belastenden Trainingseinheiten in hohem Maße selbst.

Eine der wichtigsten Faktoren für die Erholung und damit für das Wirksamwerden der Superkompensation ist der Schlaf, wobei sowohl die Qualität als auch die Quantität des Nachtschlafes von großer Bedeutung sind.

Falls sich nun bei dem Einem oder Anderen die gewünschte, geplante Leistungssteigerung nicht einstellt, so könnte es durchaus daran liegen, dass ein Mangel an erholsamem Schlaf die Ursache dafür ist - übrigens auch für unerklärbare, hartnäckige Verletzungen.

Der Schlaf macht’s aus!

 

 

  

Montag, 16. Juli 2012

Interview von Willy Lilge

 

Willy Lilge ist Teamleiter der Disziplingruppe Mittel- und Langstrecke im ÖLV und Nationaltrainer. Er gab ein...


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Willy Lilge ist Teamleiter der Disziplingruppe Mittel- und Langstrecke im ÖLV und Nationaltrainer. Er gab ein bemerkenswertes Interview, welches ich nur wärmstens empfehlen kann. Sowohl für Trainer als auch für Athleten.

 

   

 

  

Montag, 07. Mai 2012

Übungsleiterskript Wurf

Unter untenstehendem Link findest du Unterlagen zum Thema Wurf. Verfasst von Peter Hiller im Rahmen des Leichtathletik Übungsleiterlehrganges.

Unter untenstehendem Link findest du Unterlagen zum Thema Wurf. Verfasst von Peter Hiller im Rahmen des Leichtathletik Übungsleiterlehrganges.

  

Montag, 07. Mai 2012

Talent alleine ist kein Garant für den Erfolg

Die 10.000-Stunden-Regel

Anfang der 90er-Jahre wurde an der Berliner Hochschule folgende Untersuchung durch K.A. Ericsson, Professor an der Florida State, durchgeführt....


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Die 10.000-Stunden-Regel

Anfang der 90er-Jahre wurde an der Berliner Hochschule folgende Untersuchung durch K.A. Ericsson, Professor an der Florida State, durchgeführt.

Violin-Studenten, die alle im Alter von fünf Jahren zum Violine-Spielen begonnen hatten und später die Aufnahmsprüfung schafften, wurden nachträglich in drei Kategorien eingeteilt:

  • In die erste Gruppe kamen jene Studenten, die laut ihren Lehrern das Potenzial zu Spitzen-Solisten hatten.
  • In die zweite Gruppe kamen Violin-Spieler, die hervorragende Orchestermusiker werden würden.
  • In die dritte Gruppe teilte man jene ein, die „nur“ Musiklehrer werden würden.

Wie nachträglich festgestellt wurde hatten alle gemeinsam, dass sie anfangs zwei bis drei Stunden in der Woche übten, im Alter von acht Jahren begannen die Studenten der ersten Gruppe aber wesentlich intensiver zu üben. In ihrer ca. zehnjährigen Ausbildung kamen diese Musiker auf insgesamt 10.000 Stunden Übungszeit, die Guten aus der Gruppe zwei auf 8.000 Stunden und die Musiklehrer auf 4.000 Stunden Übungszeit. Das Ergebnis dieser Untersuchung wurde von vielen anderen Forschern aufgegriffen und es bestätigte sich, dass – egal ob es sich um Komponisten, Sportler, Schriftsteller, Schachspieler, Chirurgen oder Manager handelt, es braucht immer 10.000 Übungsstunden, bis man zur Weltspitze zählt.

Der New Yorker Wissenschaftsjournalist Malcolm Gladwell, Autor des Buches „Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht“, griff dieses Thema auf und untersuchte es anhand weiterer Beispiele tiefer gehend. Auch er kommt bei seiner Recherche zum Ergebnis, dass die 10.000-Stunden-Regel in allen Bereichen, in denen Spitzenleistungen erzielt werden sollen, Gültigkeit hat. Er stellt allerdings auch die Frage, was es bedeutet, 10.000 Stunden zu üben. Man muss nämlich täglich von Montag bis Freitag vier Stunden trainieren, um in etwa zehn Jahren auf die erforderliche Zahl von 10.000 Übungsstunden zu kommen. Diese gewaltige Anstrengung schafft kein Kind, aber auch kein Erwachsener, wenn er auf sich alleine gestellt ist. Auch Talent alleine genügt nicht. Für den Erfolg braucht es eben auch diese enorme Trainingsleistung, Fleiß, Beharrlichkeit und Ausdauer.

Gladwell stellt in seinem Buch fest, dass neben Talent und Übungsfleiß noch eine dritte Komponente unbedingt notwendig ist. Um 10.000 Stunden zu üben/trainieren, braucht es entsprechende Rahmenbedingungen, die zur Verfügung stehen müssen. Es bedarf der richtigen Umgebung, es bedarf der Möglichkeiten. Der Staat, die Gesellschaft, die Familie muss die Möglichkeit schaffen, dass sich fleißige Talente entfalten können. Es braucht (staatliche) Förderprogramme, Trainer, Sportstätten, freien Zugang zu bestehenden Sportstätten und entsprechende Schulen. Es braucht Politiker, die das verstehen und Eltern, die ihre Kinder fördern. Jeder, der Talent für etwas hat, Fleiß, Beharrlichkeit und Ausdauer einbringt, hat das Recht auf fördernde Unterstützung durch seine Umwelt.

Zwei Athletinnen des ULC Linz Oberbank, die beide über zehn Jahre lang an der österreichischen Spitze mitgemischt und auch bei internationalen Großereignissen teilgenommen haben, schafften es, sich neben ihrem Talent auch ihr jeweils persönlich bestmögliches Umfeld zu schaffen. Soweit als möglich mit Hilfe des Vereins, aber zum größten Teil mit viel Willen zum Erfolg und Spaß an der Sache. Neben einer akademischen Ausbildung an Hochschule und Universität und Einstieg ins Berufsleben brachten Marion Obermayr und Daniela Wöckinger folgende Trainingszeiten auf:

Marion Obermayr (1977): Marion stand in den Jahren 1997 – 2009 jedes Jahr am Podest bei Österreichischen Meisterschaften und errang neun Titel, fünf Mal Silber und drei Mal Bronze. Viele Male vertrat Marion Österreichs Farben im Europacup. Laut ihren Trainingsaufzeichnungen kam sie in ihren 10 besten Jahren auf 4.600 Stunden Trainingszeit.

Daniela Wöckinger (1981): Daniela erreichte zwischen 1998 – 2011 Meistertitel und Podestplätze bei Österreichischen Meisterschaften. Außerdem qualifizierte sie sich für Junioren-EM und WM, für U23 EM sowie Europameisterschaften und Hallen-Europameisterschaften. Laut Auskunft von ihrem Vater und Trainer Karl Wöckinger trainierte sie in ihren zehn besten Jahren 48 Wochen im Jahr, 8 bis 10 Wochenstunden = 4.400 Stunden Trainingszeit.

Peter Hiller (November 2011)